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17.November 2019

Bildverwertung leicht gemacht?

Aus den Bereichen: TechnologieUnternehmenDatenschutzgrundverordnung

 

„Sie brauchen Bilder, um Ihren Webauftritt zu verbessern!“
„Texte sind gut, aber Bilder sind besser!“

Man hört es überall. Ohne Bilder läuft nichts mehr. Unsere Webpräsenzen sind überwiegend geprägt von Bildsprache. Durch einfaches Copy/Paste hübsche ich also meinen Webauftritt auf. Aber darf ich das eigentlich? Und was ist sonst noch zu beachten?

Besonders im digitalen Marketingbereich spielen Bildrechte eine immens wichtige Rolle. Es ist daher sinnvoll, das Bewusstsein dafür zu schärfen, was geschützt ist, was in welcher Weise verwertet werden darf und welche Pflichten den Verwerter von Bildmaterial treffen. Denn nach wie vor sind die Unsicherheiten groß, was kopiert, verändert oder weitergegeben werden darf.

Persönlichkeitsrechte

Das deutsche Urheberrecht folgt einem persönlichkeitsrechtlichen Ansatz. Danach wird vorrangig die geistig kreative Leistung der Person des Urhebers als schutzwürdig angesehen. Das Urheberrecht ist untrennbar mit der Person des Urhebers verbunden. Urheber kann daher nur eine natürliche Person sein und nicht etwa ein Unternehmen. Eine vollständige Übertragung von Urheberrechten ist ebenfalls ausgeschlossen.

Lediglich an den wirtschaftlichen Verwertungsrechten kann ein Urheber sog. Nutzungsrechte einräumen, wobei er weitgehend frei ist in der Ausgestaltung der Lizenzierung. Was dem Urheber aber immer zwingend bleibt, sind sein Anspruch auf angemessene Vergütung und seine Persönlichkeitsrechte, insbesondere das Namensnennungsrecht und sein Recht auf Schutz vor Entstellung des Werkes. Letzteres wird immer wieder gerne verletzt, wenn sich vermeintlich clevere Bilderdiebe zu schützen versuchen, indem sie das Bild so stark bearbeiten, dass dessen Charakter vollends „entstellt“ wird. Umso überraschender trifft es diese Nutzer dann, wenn sie z. B. aufgrund des Quellcodes trotzdem eindeutig „überführt“ werden können.

Verwertungsrechte

Das Urheberrecht kennt im Bildbereich vor allem folgende Verwertungsrechte, die der Urheber einzeln oder insgesamt, ausschließlich (exklusiv) oder einfach (nicht exklusiv) an einen Verwerter lizenzieren kann:

  • Vervielfältigungsrecht (§ 16): meint „Kopieren“ bzw. „Vervielfachen“,
  • Verbreitungsrecht (§ 17): meint die Weitergabe an Dritte,
  • Ausstellungsrecht (§ 18),
  • Recht der öffentlichen Zugänglichmachung (§ 19a): umfasst Verbreitungshandlungen im Internet.  

Bearbeitungen und Umgestaltungen

Bearbeitungen und Umgestaltungen eines Bildes sind ohne Einwilligung des Urhebers unzulässig. Das gilt grundsätzlich auch schon für Umformatierungen und Zuschnitte. Für den digitalen Nutzer bedeutet das, dass er das Bildmaterial ohne ein Bearbeitungsrecht kaum sinnvoll verwerten kann. Dennoch bleibt dieses bedeutsame Recht in Lizenzverträgen erschreckend häufig unberücksichtigt.

Lizenzverträge

Wenn Sie Lizenzen einkaufen, sollten Sie den Zweckübertragungsgrundsatz kennen. Vereinfacht ausgedrückt besagt dieser, dass das Urheberrecht die starke Tendenz hat, beim Urheber zu verbleiben.  

Bei Lücken im Vertrag gilt danach: Der Lizenznehmer erhält nur diejenigen Rechte, die er unbedingt zur Erfüllung des Vertragszwecks benötigt. Das sind im Zweifel nur einfache Rechte und weder Bearbeitungsrechte noch das Recht zur Unterlizenzierung. Das bedeutet, dass der Lizenznehmer bei der Vertragsgestaltung unbedingt darauf achten sollte, alle benötigten Nutzungsrechte ausdrücklich und einzeln im Vertrag zu regeln.

Bei der Lizenzierung von Bildmaterial aus Datenbanken ist die Lektüre der Lizenzbedingungen unbedingt zu empfehlen: Ist die Lizenz befristet? Ist die Nutzung in Print- und Onlinemedien umfasst? Ist die Nutzung in sozialen Netzwerken oder in Apps ausgeschlossen? Benötige ich eine exklusive Lizenz? 

Fazit

Es ist leider sehr leicht, bei der Nutzung von Bildmaterial rechtliche Fehler zu begehen. Die Folge können teure Abmahnungen und gegebenenfalls sogar gerichtliche Auseinandersetzungen sein. Diese lassen sich jedoch mit gewissen Grundkenntnissen im Bereich des Urheberrechts durchaus vermeiden. Nichtsdestotrotz sollte man berücksichtigen, dass es sich um eine relativ komplexe rechtliche Materie handelt. Eine Schulung für alle Mitarbeiter, die mit Bildmaterial arbeiten, ist in jedem Fall dringend zu empfehlen.

Für weitere Informationen auch zur Thematik der Rechte von abgebildeten Personen (KUG) empfehlen wir die Lektüre unseres KKPBooks zum Thema Bildrechte