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29.Juli 2015

Erbrecht: Auch 20 Jahre nach dem Tod ist ein eigenhändiges Testament noch wirksam

Aus den Bereichen: Notare

Das Leben schreibt manchmal interessante Geschichten. Die 1991 verstorbene Erblasserin hinterließ drei Kinder aus ihrer bereits 1951 geschiedenen Ehe. Im Jahr 2011 legte eines der Kinder ein handschriftliches Testament vor, welches den Namenszug der Erblasserin als Unterschrift trug und kurz vor ihrem Tod verfasst worden sein soll. Darin war das vorlegende Kind zum Alleinerben bestimmt. Für das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt war das kein Problem. In einem jetzt veröffentlichten Beschluss vom 15. Oktober 2014 (20 W 251/14) erklärte das Gericht den leer ausgehenden Geschwistern, dass 
"bei der Vorlage eines eigenhändigen Testaments erst zwanzig Jahre nach dem Todesfall (...) im Erbscheinserteilungsverfahren ohne weitergehende konkrete Anhaltspunkte für eine Fälschung in der Regel keine Ermittlungen zur Urheberschaft des Erblassers durch Einholung des Gutachtens eines Schriftsachverständigen erforderlich [sind], wenn die eigenhändige Errichtung der Urkunde durch den Erblasser anderweitig nachvollziehbar belegt ist."
Die eingesetzte Alleinerbin habe dem Gericht überzeugend erklären können, warum das Testament erst zwanzig Jahre nach dem Tod der Mutter vorgelegt werden konnte. Ein vom Nachlassgericht eingeschalteter Schriftsachverständiger habe keine Anhaltspunkte für eine Fälschung feststellen können, was allerdings auch daran lag, dass das Alter von Kugelschreibertinte auf Papier spätestens nach zwölf Monaten nicht mehr festgestellt werden kann.
Urkunde mit Notarsigel