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02.Mai 2019

Musikzitate und freie Bearbeitung

Aus den Bereichen: Unternehmen

Für Musiker ist es reizvoll, die Melodie eines fremden Musikwerks für die eigene Musik zu verwenden. Prägende Teile eines anderen Musikstücks haben meist einen hohen Wiedererkennungswert, an den man sich gerne anlehnen möchte. Wie aber sieht die Rechtslage aus? Muss ich den Urheber des Originalwerks (bzw. die GEMA) um Zustimmung bitten oder darf ich mich ohne Weiteres der gewünschten Werkteile bedienen und damit etwas Neues schaffen?      

Ist ein Musikstück bereits gemeinfrei, sind natürlich keine Probleme zu erwarten. In der Regel ist ein Werk aber erst mit Ablauf des Jahres gemeinfrei, nach dem der Urheber 70 Jahre tot ist. Hier ist also Geduld gefragt. Bei nicht gemeinfeien Werken gilt zunächst einmal der Grundsatz, dass ich sie nicht ohne Zustimmung des Urhebers bearbeiten darf.  

Einschränkungen gelten für sog. freie Benutzungen eines Werkes (§ 24 UrhG) und für Musikzitate (§ 51 UrhG):

§ 24 UrhG gestattet es zwar grundsätzlich, in Anlehnung an ein fremdes Werk ein neues Werk zu schaffen. Für die Verwertung des neuen Werkes ist es dann nicht erforderlich, den Urheber des Originalwerks um Zustimmung zu bitten. Vorab muss ich aber trotzdem um Erlaubnis fragen, wenn die Anlehnung an das fremde Werk eine Bearbeitung im Sinne des § 23 UrhG darstellt. Außerdem schränkt das Gesetz gerade für Musikwerke die freie Benutzung wieder ein und bestimmt in § 24 Abs. 2 UrhG eine generelle Zustimmungspflicht des Urhebers. Im Musikbereich ist daher in aller Regel von einer Zustimmungspflicht auszugehen.  

In sehr wenigen Ausnahmefällen kann auch im Musikbereich das Zitatrecht des § 51 UrhG greifen. Dieser bestimmt, dass ein fremdes Werk „zum Zweck des Zitats“ vervielfältigt und verbreitet werden darf, „sofern die Nutzung in ihrem Umfang durch den besonderen Zweck gerechtfertigt ist. Zulässig ist dies insbesondere, wenn […] einzelne Stellen eines erschienenen Werkes der Musik in einem selbständigen Werk der Musik angeführt werden.“

Das Zitatrecht ist eine Schranke des Urheberrechts. Diese setzt allerdings zunächst voraus, dass nur ein sog. „Kleinzitat“ angeführt wird. Der Umfang des Zitats muss darauf beschränkt sein, dass ein Zuhörer mit durchschnittlich musikalischem Empfinden sie gerade so erkennen kann. Zudem erfordert § 51 UrhG einen besonderen Zitatzweck, d.h. eine thematische Auseinandersetzung mit der zitierten Stelle des Originalmusikwerks. Die Rechtsprechung stellt hieran relativ hohe Anforderungen und fordert vor allem die musikalisch-inhaltliche Auseinandersetzung mit der Melodie als Stilmittel.

Aufgrund dieses „starren Melodienschutzes“ ist Musikschaffenden zu empfehlen, immer eine Zustimmung des Urhebers einzuholen, wenn in einem eigenen Musikstück Teile eines anderen Musikstücks erkennbar sind.