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20.März 2012

Sechs Fragen zu Montageanleitungen

Technische Produkte sind trotz aller Bedienerfreundlichkeit anleitungsbedürftig. Dabei sind einige Regeln zu beachten, um nicht Gewährleistungs- oder Haftungsansprüchen ausgesetzt zu sein. Wann ist eine Montage- oder Bedienungsanleitung mangelhaft?
 Mangelhaft ist eine Montageanleitung dann, wenn sie den Verwender nicht in die Lage versetzt, die Kaufsache ordnungsgemäß zu montieren oder zu nutzen. Es ist hierbei auf den Erwartungshorizont des Käufers abzustellen. Insbesondere ist zu berücksichtigen, welche Sprache oder welches nötige Verständnis beim Käufer vorauszusetzen ist. Die Montage- oder Bedienungsanleitung ist insbesondere dann mangelhaft, wenn
  • sie der Sache nicht beigefügt ist
  • sie unvollständig ist
  • eine Anweisung missverständlich ist
  • sie sich auf eine andere Sache, z. B. auf einen früheren Gerätetyp bezieht
  • bei einem im Ausland hergestellten Produkt die deutsche Übersetzung schlicht unverständlich ist
  • die Aufbauskizze mit Erläuterungen vom Käufer ein überdurchschnittliches Maß an handwerklichem und technischem Verständnis voraussetzt
Liegt eine mangelhafte Montage- oder Bedienungsanleitung vor, aufgrund deren der Kunde die Sache nicht ordnungsgemäß zusammenbauen oder nutzen kann, so hat der Verkäufer seine Vertragspflicht nicht erfüllt und er haftet für eintretende Schäden sowohl aus Gewährleistung wie auch der Hersteller aus Produkthaftung. Drohen Gesundheitsschäden, muss der Hersteller u.U. Korrekturmaßnahmen (Rückruf) ergreifen
Müssen Montage- und Bedienungsanleitungen mit dem Produkt mitgeliefert werden?
 Nach der gesetzlichen Regelung sind Montageanleitungen Bestandteil einer Kaufsache, soweit diese zur Montage bestimmt ist. Daher müssen Montage und Bedienungsanleitungen grundsätzlich der Sache beigefügt sein.
 Ausnahmsweise gilt nicht, wenn  
  • eine Montage an der Sache nicht vorgesehen ist
  • der Kunde bereits die gleiche Sache mit Montageanleitung erhalten hat
  • es sich bei dem Kunden um ein Unternehmen handelt und ein gewisses Maß an technischem Wissen und Können erwartet werden kann
  • die Bestimmung der einzelnen Bestandteile aus sich heraus verständlich sind
Müssen die vom Vorlieferanten erstellten und an den Endkunden weitergereichten Dokumente überprüft werden?
 Die Regelung hinsichtlich der fehlerhaften Montageanleitung ist auch anwendbar, wenn der Endhersteller oder Verkäufer mit der Anleitung des Vorlieferanten montiert, auch wenn ihm die Montage vertraglich obliegt. Wird eine Sache mit Bestandteilen, die vom Vorlieferanten bezogen worden sind, an den Endkunden weitergegeben, so müssen die vom Vorlieferanten erhaltenen Bedienungs- oder Montageanleitungen vom Endhersteller oder Verkäufer ebenfalls auf deren Richtigkeit überprüft werden, da in erster Linie diese gegenüber dem Endkunden haften.
Ist bei einem Baukastensystem eine generelle Montageanleitung möglich? 
Da ein Baukastensystem mehrere Möglichkeiten für einen Zusammenbau eröffnet, ist eine generelle Montageanleitung nicht ratsam. Vielmehr sollte bei einem Baukastensystem eine Montageanleitung beigefügt werden, die alle möglichen Varianten des Zusammenbaus enthält. Ansonsten läuft der Verkäufer Gefahr zu haften, wenn der Kunde versucht, nicht erläuterte Montagehinweise auszuführen und dabei fehlerhaft zusammenbaut. 
In welcher Sprache müssen Montage- bzw. Bedienungsanleitungen verfasst sein? 
Grundsätzlich ist den Anleitungen die Vertragssprache zugrunde zu legen. Soll die Kaufsache ins Ausland vertrieben werden, so sollten die Anleitungen zusätzlich in den gängigen Weltsprachen verfasst sein. 
Wer muss Dokumente auf deren Richtigkeit überprüfen? 
Gegebenenfalls hat die QS-Abteilung die Dokumente zu überprüfen. Letztendlich ist dies aber eine Frage der zuständigen betriebsinternen Organisation für Produktsicherheit.