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03.September 2015

Sterben in Europa: Die neue EU-Erbrechtsverordnung ist in Kraft

Aus den Bereichen: Familie & Erbe

Immer mehr Deutsche verbringen Ihren Lebensabend im Ausland. Innerhalb der Europäischen Gemeinschaft erfreuen sich vor allem Österreich, Spanien und Frankreich besonderer Beliebtheit. Aber was geschieht, wenn ein Deutscher im Ausland verstirbt? Welche Rechtsordnung regelt die Erbfolge? Der Umstand, dass in den Ländern der EU das Erbrecht teilweise sehr unterschiedlich geregelt ist, bedeutete für die Erben bisher eine besondere Herausforderung bei der Abwicklung des Nachlasses. Dies soll innerhalb der EU – mit Ausnahme von Großbritannien, Irland und Dänemark – aufgrund der nun in Kraft getretenen 

EU-Erbrechtsverordnung (Nummer 650/2012) einfacher werden. Die Verordnung bestimmt einheitlich, welches nationale Erbrecht im Todesfall künftig angewandt wird. In Deutschland richtete sich bisher das anzuwendende Erbrecht nach der Staatsangehörigkeit des Verstorbenen. Wenn also beispielsweise ein Italiener in Deutschland verstarb, galt das italienische Erbrecht – unabhängig davon, ob er den größten Teil seines Lebens in Deutschland verbracht hatte oder sich nur zu Besuch hier aufhielt. Um nur ein Beispiel für die Vielfalt des Erbrechts zu nennen: In Frankreich galt für Immobilien auf französischem Grund, unabhängig von Nationalität und Wohnsitz des Eigentümers, bisher immer das französische Erbrecht. Für bewegliche Vermögenswerte – also etwa Konten, Autos und Kunstgegenstände – hingegen war der letzte Wohnsitz des Erblassers maßgebend.  Ab sofort entscheidet einheitlich der sogenannte letzte „gewöhnliche Aufenthalt“ des Verstorbenen darüber, welches Erbrecht für den gesamten Nachlass gilt, unabhängig davon, in welchem Mitgliedstaat sich die einzelnen Nachlassgegenstände befinden und welcher Nationalität der Erblasser zum Zeitpunkt seines Todes angehörte.  Verstirbt also ein Deutscher in Spanien, wo er in seinen letzten Lebensjahren  seinen Lebensmittelpunkt hatte, so wird er künftig nach den Regeln des spanischen Erbrechts beerbt. Dies gilt auch für das Vermögen, dass er noch in Deutschland haben mag.  Wer dies nicht möchte, hat die Möglichkeit, im Rahmen eines Testaments die Geltung des deutschen Erbrechts für sich zu wählen. Dies muss bei der Errichtung letztwilliger Verfügungen unbedingt beachtet werden, damit die neue Verordnung im Todesfall nicht zu ungewünschten Überraschungen bei den Hinterbliebenen führt.

Herz aus Puzzleteilen